Kinderkino

Rico, Oscar und Anke - oder

Schicksalsverräter


Ich liebe Kinderkinofilme. Jedenfalls, wenn sie gut gemacht sind, wie jetzt die Verfilmung des preisgekrönten Buchs "Rico, Oskar und die Tieferschatten". Mit dabei in einer kleinen, aber feinen Gastrolle: Anke Engelke. 

Zwei Außenseiter-Jungs - der eine hoch-, der andere tiefbegabt - lernen sich im Berliner Sommer kennen, lösen einen Entführungsfall und das wichtigste, werden über Hindernisse hinweg Freunde

Anke Engelke als Eisverkäuferin sagt nicht viel, lässt dafür ihre Mimik tanzen und verleiht der Eiskaufszene der beiden unterschiedlichen Jungs ganz eigene Komik. Einer der Lachmomente im Kinderkino, der vor allem Erwachsene erfasst.

Ein bisschen Action, ein bisschen Familiendrama, Berliner Sommerfeeling und viel davon, wie es ist, anders als die anderen zu sein - und gerade in dem ganz anderen den besten Freund zu finden. So dass Oskar, der kleine Besserwisser und große Angsthase, am Ende des Films sogar seinen Schutzhelm abzieht, den er die ganze Zeit auf hatte, und nebenbei seinem neuen Freund Rico bekennt: "Ich brauch den Helm nicht mehr, du bist ja jetzt mein Freund, und wenn ich bei dir bin, da hab ich keine Angst mehr". (oder so ähnlich, aber ebenso schön)

Bevor man sich die Verfilmung von "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" anschaut - unbedingt das Buch vorher lesen. Denn das ist toll und ergreifend. Die Geschichte der beiden krebskranken Jugendlichen Hazel und Augustus, die monatelang auf der Bestseller-Liste stand und ein viel besseres all-ages-buch als die gesamte Harry Potter-Reihe ist, muss man einfach gelesen haben, egal ob mit 15 oder 50. 

Gnadenlos ehrlich gehen Hazel (Schildrüsenkrebs) und Augustus (Beintumor) mit Krankheit und Tod um und finden trotz aller Traurigkeiten einen Weg, ihre erste und gleichzeitig letzte große Liebe zu erleben. John Green, dem Autor, gelingt es, das Thema Krankheit und Tod in jungen Jahren unkitschig, gespickt mit abgeklärter Ironie, mit viel Gefühl und dem Blick auf Wesentliches im Leben zu vermitteln.

Okay, vielleicht gucke ich mir den Film doch noch an, später auf DVD, alleine auf der Couch, da kann man besser weinen als im Kino, denn das ist bei dem Film bestimmt genauso wie beim Buch.                                                                                                                 Annette Kanis