Interview mit Dr. med. Christoph Kunde, Facharzt für Innere Medizin im Kurort Bad Salzuflen 

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Man fährt ans Meer, macht eine Kur wie hier in Bad Salzuflen, die Großstädter gehen in die Salzgrotte. Was steckt dahinter? Wie ist der medizinische Nutzen salzhaltiger Luft?

Die Inhalation salzhaltiger Luft ist sicherlich hilfreich und hat eine unterstützende Wirkung bei Atemwegserkrankungen. Zum einen wirkt Salz in einem gewissen Umfang antibakteriell, zum anderen – und das ist die größere Wirkung – zieht Salz Flüssigkeit. Dadurch wird zäher Schleim, wie er bei Atemwegserkrankungen auftritt, aufgelockert und kann leichter abgehustet werden oder besser abfließen. Das lindert die Beschwerden. 

 

Wie schafft Salz das? Wie lässt sich aus medizinischer Sicht die Wirkung von Salz auf die Atemwege erklären?  

Da Salz Flüssigkeit zieht, wird während der Inhalation im Bronchialsystem und im Nasen-Rachenraum mehr Flüssigkeit von den Schleimhäuten abgesondert. Hier befinden sich überall Schleimhäute, die selber Flüssigkeiten extrahieren können. Und darin liegt die Hauptwirkung des Salzes: Flüssigkeit wird vermehrt abgegeben, so dass der Abtransport des Sekrets leichter erfolgen kann. Und dadurch können die Beschwerden besser werden. Gleichzeitig ist die vermehrte Sekretproduktion ein positiver Ausgleich, wenn man, gerade im Winter, überwiegend in Räumen mit trockener Heizungsluft aufhält. 

 

Inwiefern wirkt salzhaltige Luft auch prophylaktisch? 

Salzhaltige Luft bewirkt, dass die Durchblutung in den Atemwegen verbessert wird. Sauerstoff kann über das Blut besser in den Körper transportiert werden. Und gleichzeitig kommen mehr sogenannte immunkompetente Zellen vor Ort und können schneller reagieren. Diese Zellen befinden sich im Blut und bilden das immunologische Gedächtnis. Ist die Durchblutung erhöht, zirkulieren sie verstärkt in den Bereichen. Man erhöht damit zumindest in einem gewissen Umfang die Immunkompetenz. Das heißt man wird weniger anfällig für Infekte. Je höher die Zirkulationsrate ist, desto besser können die immunkompetenten Zellen agieren und einen Infekt bekämpfen, bevor er entsteht. 

 

Eine Salzgrotte in der Stadt kann einen dreiwöchigen Kuraufenthalt nicht ersetzen. Aber sie ist dennoch eine Möglichkeit, etwas zu tun für die Immunabwehr? 

Es ist sicherlich sinnvoll, regelmäßig in eine Salzgrotte zum Inhalieren zu gehen. Wiederholte Reize können da zum Erfolg führen. Ein weiterer Vorteil, gerade für Menschen in einer Großstadt, ist, dass Salz mit anderen Mikropartikeln Bindungen eingeht. Feinstaub und andere Umweltbelastungen können so besser mit ausgespült werden. 

 

Dazu zählen auch Allergene? 

Dazu zählen alle Dinge, die in der Luft mitschweben, auch Allergene, Pollen, Hausstaub. Sie werden im Respirationstrakt durch die Flimmerhärchen abgefangen und können besser mit entfernt werden. Das ist sicherlich auch für Allergiker positiv.   

 

Warum ist es so wichtig, dass der Schleim aus den Atemwegen abtransportiert wird? 

Schleim wird gebildet, um sämtliche Schadstoffe aus dem Respirationssystem, aus der Nase, den Nebenhöhlen und Bronchien hinaus zu befördern. Das Problem ist nun, dass ein zäher Schleim Hustenreiz hervorruft. Diese Beschwerden treten im Rahmen einer akuten Erkältung auf, aber auch bei COPD-Patienten mit chronischer Bronchitis. Gerade sie haben das Problem, dass der Schleim sehr zäh ist, und dass die Flimmerhärchen in den Bronchien aufgrund der Erkrankung weniger effektiv sind. Das zähe Sekret belastet die Bronchien, und diese verlegten Bereiche sind dann aus dem Atemkreislauf ausgeschlossen. Hier kommt kein Sauerstoff hin, hier findet keine Durchblutung statt. Deswegen ist es wichtig, dass der zähe Schleim beseitigt wird. Und je dünnflüssiger der Schleim ist, desto besser kann er hoch transportiert und abgehustet werden. Und hierbei hilft das Salz. Es trägt zur Mukolyse bei. Dies sind Maßnahmen, die zur Verflüssigung und Lösung des Schleims dienen. 

 

Wie sieht es mit entsprechenden medizinischen Studien aus?

Das Problem ist, dass es sehr, sehr wenig Studien gibt. Ältere Studien aus den 70er, 80er Jahren beziehen sich vornehmlich auf Kurorte. Und diese entsprechen nicht unbedingt den heutigen Ansprüchen. Wobei gerade im Rahmen einer Kur das Problem besteht, dass nicht nur ein Faktor wie die Salzinhalation gemessen wird, sondern es kommen sicherlich andere Faktoren mit hinzu. Man muss bei Studien immer beachten: die meisten Studien erfolgen dann, wenn es um Medikamente geht. Wo ein wirtschaftliches Interesse dahintersteckt. 

Letztendlich muss man natürlich auch sagen, dass es einfach doch mehr Dinge gibt, als sich rein wissenschaftlich beweisen lässt. Und dass Erfahrungswerte ganz wichtig sind. Wo in den Seeheilbädern oder in den Salzkurorten wie in Bad Salzuflen sicherlich einfach auch über die Jahrzehnte viel Erfahrung gesammelt worden ist.

 

Sie sprechen Erfahrungswerte an - man muss bei seinem individuellen Beschwerdebild auch ausprobieren, was hilft. Wie sieht es mit Kontraindikationen aus? 

Wenn man in zu kurzer Zeit zu große Mengen an Salz aufnimmt, kann das auch reizend wirken. Gerade für einen Asthmatiker oder einen COPD-Patienten, aber auch für einen Patienten mit einer Mukoviszidose kann das problematisch werden. Aber hierbei handelt es sich auch um schwer kranke Patienten, die sowieso in engmaschiger Kontrolle bei ihrem Lungenfacharzt sind und hier Rücksprache halten sollten, ob Salzinhalation für sie angemessen ist. Es kommt jeweils auf die Ausprägung der Erkrankung an. Es gibt sogar Sauerstoffpflichtige Patienten, die mit Kochsalzlösung inhalieren, von daher spricht das nicht zwingend dagegen. Aber fest steht: je schwerer die Grunderkrankung ist, desto vorsichtiger muss man sein, weil das Salz auch reizend wirken kann. Von daher sollte man sich langsam an die höheren Dosierungen ran tasten. 

 

Hier muss man unterscheiden: Salzinhalation mit Solelösung und Aufenthalt in einer Salzgrotte mit sanftem salzhaltigem Mikroklima durch die Gradierwerke. Bei welchen Erkrankungen ist die salzhaltige Luft angeraten? 

Bei akuten Erkältungskrankheiten, bei Erkrankungen im Nasennebenhöhlenbereich, im Bronchialsystem sowie bei chronischen Lungenerkrankungen wie Asthma, COPD, Mukoviszidose. Stets geht es um die Wirkung der Mukolyse, dass der Schleim weniger zäh wird, dass er leichter abgehustet werden kann. Wenn es bei den Atemwegserkrankungen um Probleme in den kleinen Aviolen und Bronchiolen geht, also in den sehr weit verzweigten, verästelten Abschnitten der Lunge und der Bronchien, dann ist es wichtig, dass die Salz-Aerosole möglichst klein sind. So können sie tiefer eindringen und desto effektiver wirken sie. Hier ist ein Durchmesser unter 0,4 Mikrometer empfehlenswert. Bei Schnupfen und bei Nasennebenhöhlenerkrankungen, sind auch größere Partikel ausreichend. 

 

Salzinhalationen kommen auch im medizinischen Bereich zum Einsatz. 

Es ist sicherlich etabliert, dass Salz als Trägerlösung für Medikamente bei Patienten mit akuten Atemwegserkrankungen genutzt wird. Auch kommen reine Salzinhalationen zur Anwendung, dass die Patienten viermal täglich mit Kochsalzlösung inhalieren. Hier nutzt man die beruhigende Wirkung auf die Schleimhäute, dass die Sekretion gefördert wird, wodurch dann die Luftnot und der Hustenreiz sich verringern. 

 

In Salzgrotten kann man sehr gut entspannen – ist das auch auf das Salz zurück zu führen? 

Ein direkter Zusammenhang zwischen der salzhaltigen Luft und Entspannungstiefe ist schwierig zu beweisen. Studien sind mir hierzu nicht bekannt. Ich kann mir gut vorstellen, dass es über das Erinnerungssystem funktioniert, dass positive Assoziationen wahrgenommen werden. Wenn man am Gradierwerk sitzt, hat man schnell das Gefühl, man wäre am Meer. Dieser Aspekt ist für die meisten Menschen positiv besetzt. Dadurch entsteht Glückseligkeit und Entspannung. So würde ich das vermuten. 

Der andere Punkt ist, wenn man sich einfach mal hinsetzt und nichts macht außer zu atmen - das ist sicherlich auch eine Erfahrung, die in der heutigen Welt vielen Menschen fehlt. Vor allem auch nicht auf das Smartphone zu gucken. Die Ruhe und Entspannung stimmen das Gehirn per se freundlich. So dass man sich nach einem solchen Aufenthalt in der Salzgrotte entspannter und gelöster fühlt. Und vielleicht auch ein bisschen glücklicher. 

 

Solche Rückmeldungen bekommen wir tatsächlich von etlichen Gästen. Manchen fällt es anfangs schwer, 45 Minuten nichts zu tun. Die allermeisten können sich aber sehr gut mit der damit verbundenen Entspannung anfreunden. Und kommen gelöster nach einer Sitzung aus der Salzgrotte. Was erwartet Gäste im Kurort Bad Salzuflen?  

Bei uns im Kurort Bad Salzuflen wird auf verschiedene Weise mit Salz gearbeitet. Zum einen sind wir sehr stolz auf unsere Solequellen. Dies sind verschiedene Quellen mit unterschiedlichen Salz-Konzentrationen, wo auch noch andere Spurenelemente und Mineralstoffe enthalten sind. Die ausgesuchten Mineralwässer werden für Trinkkuren angewendet. Zum Ausgleich eines Calciummangels, bei Osteoporose, bei Magendarmerkrankungen, Gallensteinleiden, nervösem Magen und anderen Beschwerden. 

 

Und Salz wird auch äußerlich genutzt?  

Ein weiterer Schwerpunkt sind sicherlich die Bade-Anwendungen bei Gelenkerkrankungen, bei Arthrose, Osteoporose, Arthritis, allen entzündlichen Gelenkveränderungen. Hier werden Wannenbäder und Wannengüsse angeboten, aber vor allem auch das Bewegungsbad. Hier kommt neben der prinzipiellen Entlastung der Gelenke letztendlich der vermehrte Auftrieb durch die Sole hinzu. Das heißt die einzelnen Übungen sind noch anstrengender, so dass wir ein besseres Herz-Kreislauf-Training haben. Die Entlastung für die Gelenke ist letztendlich besser, wenn man gegen diesen Auftrieb anarbeitet, weil der Widerstand ist höher ist. Das begünstigt das muskuläre Training. Zum anderen haben wir das Glück, dass die Quellen teilweise schon mit einer hohen Temperatur an die Erdoberfläche treten. Warmes Wasser unterstützt die positive Wirkung auf die Gelenke und die Muskulatur. 

 

Und wie sieht es mit salzhaltiger Luft aus? 

Und dann natürlich auch hier die Salzinhalation. Es gibt große Freiluftgradierwerke, wo sich Kurgäste im Idealfall eine gewisse Zeit jeden Tag aufhalten sollten. Ich empfehle allen Patienten, diese Gelegenheit zu nutzen. Die Aerosole werden zudem auch in die ganze Stadt weiter getragen. Da führt sicherlich im Umkreis von einigen hundert Metern zu einer gewissen Verbesserung der Luftqualität. Und für die Atemwegserkrankten Patienten explizit dann noch die Soleinhalation mit weiteren Zusätzen, um den Schleim zu lösen aus den Atemwegen. Am besten dann auch noch in Kombination mit gezielter Atemgymnastik. Hier werden Übungen vermittelt, welche Körperhaltung die Patienten einnehmen sollen, um besser abhusten zu können, oder welche Atemübungen bei Luftnot helfen oder wie man die Brustmuskulatur, die Atemmuskulatur stärken kann. All dies, um Beschwerden zu lindern. 

                                                                                                               © Annette Kanis 2018

 

Das Interview führte Mitinhaberin und Medizinjournalistin Annette Kanis www.annette-kanis.de