Vom Fallen der Blätter und es sich hyggelig machen

Morgens um sieben, wenn die Blätter fallen beim Joggen am Rhein, kommt dieses Gedicht in Erinnerung. Aus der zehnten oder elften Klasse, jedenfalls aus der Zeit, als der Deutschunterricht sich langsam löste von Sachtexten, Argumentationen und Personencharakterisierungen, hin schwenkte zu tiefsinnigeren Texten, auch melancholischeren wie das Rilke-Gedicht. Schön ist es, tröstlich, merkt man Jahre später beim noch einmal Lesen:

 

"Die Blätter fallen, fallen wie von weit,   

als welkten in den Himmeln ferne Gärten;

sie fallen mit verneinender Gebärde.

 

Und in den Nächten fällt die schwere Erde

aus allen Sternen in die Einsamkeit.

 

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.

Und sieh dir andre an: es ist in allen.

 

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen

unendlich sanft in seinen Händen hält.

 

Bevor der Lichterglanz der Adventszeit und die Ablenkung durch Weihnachtsvorbereitungen losgeht, kann der Herbst durchaus seine dunklen Seiten rausstellen. Ein wenig müde vom Alltag und vom Hauch der Vergänglichkeit - trübe Herbsttage sind prädestiniert für kleine Depressionsphasen. Dann stirbt auch noch Leonard Cohen und David Bowie ist auch schon tot.

Wenn es zu melancholisch wird, denken wir einfach an die Dänen, die wie ich kürzlich in einem Zeitungsartikel gelernt habe, es sich hyggelig machen im Herbst und Winter, weil bei ihnen die Tage ja noch deutlich kürzer sind als in unseren Breitengraden. Mit viel Kerzenschein, gemütlichem Beisammensein, gemeinsamem Essen, der Decke auf der Couch - und dafür dieses Wort haben: hyggelig.

Und hier noch meine Playlist für jegliche Herbst-Stimmungslagen: 

"Halleluja" von Leonard Cohen - da wird's so richtig traurig-schön 

https://youtu.be/YrLk4vdY28Q

"Heroes" von David Bowie - am besten im Konzertmitschnitt, das gibt neue Power https://youtu.be/YYjBQKIOb-w

und "Humans" von Rag'n'Bone Man - um Jungfühlen und Jetztzeit nicht zu vergessen

https://youtu.be/L3wKzyIN1yk